Die Geschichte der Wilhelm(y)-Orgel
in der Liebfrauenkirche Elmlohe

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Interessant ist, dass zwar einige, wenn auch geringe Mängel genannt werden, die Dreyer aber nicht Rohdenburg anlastet, sondern Georg Wilhelm. Dreyer schreibt:

„überhaupt würden viele kleine Ausstellungen [= kritische Anmerkungen] , die ich der Wahrheit gemäß hier einfließen lassen mußte, nicht so nöthig gewesen, wenn H. Rodenburg die Orgel in der Anlage und Ausführung übertragen wäre." Georg Wilhelms 20 Jahre alte Arbeit wurde offensichtlich nicht mehr als auf der Höhe der Zeit angesehen.

Sein Resümee lautet schließlich:

"Es kann H. Rodenburg wohl das Lob bei der Aufstellung der Orgel nicht versagt werden, dass das ganze Werk mehr ein gelungenes genannt werden kann und hier 'das Werk den Meister lobe'.
So möge denn diese Orgel zur Erbauung der Gemeinde und zur Ehre Gottes recht viele Jahre beitragen."

Am 12. März 1863 erstellte der damalige Rechnungsführer der Kirchengemeinde, A.F.D. Heins ("Halbhöfer in Marschcamp"), die Schlußrechnung für die Orgel. Inzwischen waren 401 RTh. an Spenden zusammengekommen. Die Rechnung beläuft sich auf Insgesamt knapp 1000 RTh. Davon wurden 500 RTh. an den Erben Georg Wilhelms, den Pastor Christoph Georg Wilhelm in Bülkau, bezahlt. 200 RTh. berechnete Rohdenburg für die Aufstellung der Orgel. Die zerlegte Orgel wurde auf vier Wagen von Stade nach Elmlohe gebracht. Dafür erhielten T. Schöttler, H. Ehlbeck, J. von der Lieth und Joh. von Döhlen jeweils 7 Rth. 30 Rth. erhielt der Malermeister H. Döscher aus Bederkesa für die farbliche Fassung des Gehäuses und der neuen Empore.

Insgesamt verzeichnet die Rechnung 46 Belege. Aus ihnen geht auch hervor, dass Rohdenburg die Orgel nicht einfach nur aufgestellt hat. Von ihm stammen alle sichtbaren Verzierungen am Gehäuse der Orgel. Georg Wilhelm hatte sie wohl nur im "Rohbau" erstellt. Außerdem lieferte er einige neue Pfeifen, einen Zymbelstern (= ein Glockenspiel, das von außen an einem drehbaren Stern erkennbar ist; z.Zt. ist der Stern zwar sichtbar, das Glockenspiel aber stillgelegt) und baute eine Pedal-Koppel ein (mit deren Hilfe können mit den Füßen auf den Pedalen Pfeifen der Orgel angespielt werden, die eigentlich zu den Klaviaturen für die Hände gehören).

Nach 20 Jahren konnte endlich die etwas veränderte Georg-Wilhelm-Orgel in den Gottesdiensten der Gemeinde erklingen.

 

 

Die Orgel wird aufgebaut

 


Titelblatt des Berichtes von Dreyer (1862)
(Pfarrarchiv Elmlohe)

 


Schluss des Berichtes und Unterschrift Dreyer (1862)
(Pfarrarchiv Elmlohe)

 

 

 


Eine der Rechnungen über den Transport der Orgel von Stade nach Elmlohe (1862)
(Pfarrarchiv Elmlohe)

Ruhige Jahre und Reparaturen


Garantieschein von Röver über die "Güte und Dauerhaftigkeit der ... gelieferten Holzpfeifen" (1902)
(Pfarrarchiv Elmlohe)

 

Nach ihrer Aufstellung tat sie offensichtlich für längere Zeit ihren Dienst, ohne dass Reparaturen notwendig waren. Die Pflege der Orgel hatte der Orgelbauer Heinrich Röver aus Stade übernommen. Die Firma Röver, gegründet 1860 durch seinen Vater Johann Hinrich Röver, hatte sich 1863 in Stade angesiedelt. Schon der Gründer Johann Hinrich Röver gehörte zu den Orgelbauern der Generation nach Georg Wilhelm.

In den Jahren seit Wilhelm 1842 die Elmloher Orgel baute, veränderten neue Ideen den Orgelbau. Dennoch ist Heinrich Rövers Gutachten von 1925 über die Elmloher Orgel relativ positiv. Röver bemängelt den Wurmfraß an den Bälgen, die die Pfeifen mit Wind versorgen und die Machart der Metallpfeifen (die "Kraftstimmen", wie er sie nennt, waren ihm nicht kräftig genug). Insgesamt aber spricht er von einem "befriedigendem Zustand".

Röver hat 1902 einige vom Holzwurm zerfressene Holzpfeifen ersetzt, sonst aber keine Eingriffe vorgenommen. So kann der Fragebogen zur Erfassung schützenswerter Orgeln von 1926 noch dieselbe Aufstellung von Registern (sog. Disposition) verzeichnen, wie Wilhelms Kostenanschlag von 1842.

Die Firma Röver wurde 1929 aufgelöst. Die Konkurrenz durch den "modernen", stärker industriell geprägten Orgelbau war zu groß. Die Firma Röver wurde schließlich durch die in Hannover Firma Furtwängler und Hammer "geschluckt". Schon der Briefkopf dieser Firma zeigt die Zeichen der neuen Zeit im Orgelbau: große Fabrikgebäude und rauchende Schlote als Firmenwerbung.

Furtwängler und Hammer hatten schon mit Georg Wilhelm in Konkurrenz gestanden und sich einige Markanteile zwischen Weser und Elbe sichern können (z.B. den Neubau der großen Orgel in Buxtehude 1859).

 

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                    © Text und Bilder : D. Woltmann (1992 - 2006 Pastor in Elmlohe)

 

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